Kartenkunde Prüfung kroatisches Küstenpatent

Prüfung zum kroatischen Küstenpatent: Erfahrungsbericht

Das kroatischen Küstenpatent war ein lange gehegter Plan gewesen, und Ende 2024 absolvierte ich endlich die Prüfung dazu. Falls du wissen möchtest, wie die Küstenpatent-Prüfung abläuft, bist du hier richtig, denn ich erzähle dir, wie genau meine Prüfung gelaufen ist.

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Der Weg zur Prüfung zum kroatischen Küstenpatent

Wir entscheiden uns, die Prüfung zum Küstenpatent durch einen Kursanbieter organisieren zu lassen. Das erleichterte uns die Organisation aus der Distanz, und wir konnten uns per zugesendetem Skriptum und Kurs am Vorabend auf die Prüfung vorbereiten.

Das ist nicht zwingend notwendig, man kann die Prüfung auch in Eigenregie vorbereiten und sich direkt am Hafenamt📍 anmelden. Doch die Kostenersparnis ist moderat, und das Risiko, dass bei der Organisation etwas schiefgeht, oder man nicht ideal auf die Prüfung vorbereitet ist, steigt.

Alle Details zur Vorbereitung zum Küstenpatent findest du hier.

Im Kurs Zum Kroatischen KÜStenpatent

Anreise und Kurs-Tag

Es hätte Häfen gegeben, an denen man den Vorbereitungskurs und die Prüfung unmittelbar hintereinander erledigen hätte können. Das erschien uns zu stressig und wir entschieden uns für Poreč📍, wo wir am Freitag anreisten und um 17:30 unseren Vorbereitungskurs absolvierten. Nach Kursende um 21:30 hatten wir dann noch den restlichen Abend Zeit, um versuchen, Wissenslücken zu stopfen.

Wir checkten am Campingplatz Zelena Laguna📍 ein, etwa zehn Minuten Fahrzeit vom Kurs-Hotel und vom Hafenamt📍 entfernt. Das Wetter war, anders als erhofft, Anfang Oktober regnerisch und kalt, aber so hatten wir immerhin keine Ablenkung und konnten uns im Wohnwagen noch einmal auf den Prüfungsstoff konzentrieren.

Der Prüfungstag am Hafenamt in Poreč📍

Am folgenden Samstag sollten wir uns um 8:00 Uhr morgens vor dem Hafenabend in Poreč📍 treffen. Das HafenamtPoreč findet man direkt an der Promenade der Marina📍, Parkplätze gibt es etwa fünf Gehminuten entfernt (beim letzten Kreisverkehr links fahren).

So wie wir es verstanden hatten, würde man sich dann selbst aussuchen können, wann man zur Prüfung dran kommen wollte, oder es würde automatisch (in der Reihenfolge des Eintreffens) gehen. Das war ein Missverständnis.

PrÜFungstag In Poreč

Die Parkplatzsuche kostete uns etwas Zeit und so waren wir 5 Minuten zu spät dran. Wir dachten, nun würden wir ohnehin die allerletzten sein und sicherlich drei Stunden warten müssen. Doch bei der Ankunft am Hafenabend hingen Listen mit Teilnehmer-Namen aus, und wir stellten fest, dass wir bereits Nummer drei und vier auf der Liste waren!

Bei vierzig Teilnehmern ein echter Glücksfall (je nach Sichtweise). Dank unserer 5 Minuten Verspätung wurden wir nun sofort aufgerufen, mussten noch 0:59 Uhr Tür warten, und dann ging es für meinen Kollegen auch schon los. Fünf Minuten später war ich dran.

Boote Vor Rovinj

Im Prüfungsraum mit strengen Kapitänen

Ich betrat den kleinen Raum, in dem vier Kapitäne saßen, gab meine Fotos und meinen Ausweis ab, und los ging’s.

Die Prüfung besteht aus zehn Fragen, und zumindest fünf davon muss man beantworten können.

Stressfrei ist die Prüfung zum Küstenpatent nicht, denn es geht Schlag auf Schlag. Die zehn Fragen werden in nur 3-5 Minuten abgespult, Zeit zum Nachdenken bleibt hier nicht.

  • Hat man eine Frage richtig beantwortet, folgt umgehend die nächste Frage, ohne jegliches Feedback.
  • Versemmelt man aber eine Frage, merkt man das aber durchaus am Augenrollen und Kopfschütteln des Prüfers. Man ließ uns merken, dass aus uns nie richtig Seemänner werden würden.

Generell sollte man sich nicht einschüchtern lassen. Die Prüfungsatmosphäre erinnert doch ein wenig an vergangene Zeiten, wo ein sehr strenger Prüfer ohne Lächeln ständig zu verstehen gibt, dass man unzureichend vorbereitet sei. Das bedeutet noch lange nicht, dass man drauf und dran ist, durchzufallen.

Boote In Dalmatien, Kroatien

Sprachliche Schwierigkeiten bei der Prüfung

Wie uns unsere Kursleiterin schon berichtet hatte, sprechen die Prüfer nur wenig Deutsch, und haben Fragen, wie auch Antworten eher auswendig gelernt.

Daraus folgt, dass man Ihnen die richtigen Antworten, so wie sie sie gelernt haben, präsentieren muss.

  • Einen vollständigen, komplizierten deutschen Satz sollte man eher vermeiden, vor allem, wenn er nicht die Wörter enthält, die der Prüfer hören möchte.
  • Es empfiehlt sich, eher einsilbig, aber mit den richtigen Wörtern und das sind jene aus dem Skriptum zu antworten.

Die Fragen der Prüfung

Die Prüfer fragen den Stoff nach eigenem Gutdünken ab, man hat keine Garantie, dass alle Stoffgebiete zu gleichen Teilen an die Reihe kommen. Jeder Prüfer hat dabei seine individuellen Vorlieben und Punkte, auf die er Wert legt. Und sogar von Hafen zu Hafen unterscheiden sich die Themen, die als besonders wichtig gesehen werden. Unsere Kursleiterin berichtete uns, dass Knoten zum Beispiel in Poreč eher nicht geprüft werden, in Rijeka📍 aber immer.

Meine erste Frage ging aus den erwähnten, sprachlichen Gründen gleich einmal ein wenig daneben Ich verstand die Frage ungefähr so:

“Hier und hier Boot, was machen diese?”

Eine Frage nach den Vorrangregeln also. „Hier“ und „hier“ hatte mir nach zwei Booten geklungen. Ich antwortete mit Ausweichen nach rechts, doch der Prüfer rollte mit den Augen, schüttelte den Kopf schien an mir zu verzweifeln. Er ließ mich die Kardinalzeichen identifizieren, stellte fest, dass ich diese beherrschte, und wunderte sich noch mal mit rollenden Augen, warum ich seine Frage aus seiner Sicht falsch beantwortet hatte.

Nun dämmerte es mir, und ich begriff, dass „hier“ nicht ein zweites Boot bedeuten sollte, sondern er auf ein Kardinalzeichen gedeutet hatte. Das versuchte ich, ihm zu erklären, der neben ihm zu sitzende Kapitän half mit Übersetzungen. Es gab ein kurzes Verziehen der Mundwinkel. Eventuell konnten wir das Missverständnis klären, vielleicht auch nicht. Es ging direkt weiter zur nächsten Frage.

Die nächsten Fragen liefen weit besser. Ich bekam noch einige Vorrangregeln, und der Prüfer ließ mich diverse Symbole auf der Seekarte identifizieren. Das Einzelgefahrenzeichen, weitere Kardinalzeichen, Angaben zur Wassertiefe, ein Ankerverbot und eine Pipeline.

Ein wenig unter Druck wegen der ersten Frage hatte ich bei der Pipeline eine kurze, mentalen Blockade. Zwar war der erste Gedanke, „das ist die Pipeline“, doch darauf folgte umgehende zweite Gedanke: „Aber was, wenn das nicht die Pipeline ist? Was hatten wir denn noch? Wasserleitung, unterbrochene Wasserleitung, Stromleitung. Irre ich mich gerade?“. Schlussendlich musste ich mich festlegen, und es passte.

Mein Tipp dazu: Suche dir Seekarten online und versuche in der Vorbereitung, zufällige Symbole zu identifizieren. Denn es ist definitiv anders, als im Skriptum das Symbol mit der Bedeutung gemeinsam zu lesen, als nur das Symbol zu sehen und sich dann der Bedeutung sicher sein zu müssen.

Seekarte Kroatien Bei Der PrÜFung Zum KÜStenpatent

Pech mit den Themen

Mein Lieblingsthema aus dem Kurs, die Navigation, kam leider die ganze Prüfung nicht zur Sprache. Ob ich einfach (aus meiner Sicht) Pech hatte oder Fragen, die das Hantieren mit Dreiecken und Zirkel erfordern, für die schnelle Schlagfolge der Prüfung zu lange dauert, kann ich dir nicht zweifelsfrei berichten.

Dafür kam als Nächstes gleich mein definitiv ungeliebtestes Thema, die Lichterführung bei Nacht dran. Und dann ausgerechnet noch genau mit jenen Lichtern, die mir immer noch Schwierigkeiten machten. Grundsitzer, manövrierunfähige Boote, und so weiter. Diese Frage konnte ich, so ehrlich muss man sein, wahrscheinlich nicht zur vollen Zufriedenheit des Prüfers beantworten, obwohl er mir hier sogar unter die Arme Griff. Einige Lichter beantwortete ich richtig, bei anderen vertauschte ich sie geringfügig, wie die Antwort gewertet wurde, weiß ich nicht.

Kartenkunde PrÜFung Kroatisches KÜStenpatent

„Unwichtige“ Themen nicht unterschätzen

Danach kamen die Winde dran, und anders, als wir erwartet hatten, lag der Fokus keineswegs auf den wichtigen und potentiell gefährlichen Winden wie Bora oder Jugo.

Ich musste Pulenat und Lebić identifizieren, und meine holprige und zögerliche Aussprache hatte wieder ein Augenrollen zufolge, aber damit schien der schwerste Teil geschafft.

Tipp: Auch weniger wichtig erscheinende Themen vernünftig lernen!

Bestanden?

Wie bereits gesagt, es ist schwierig, selbst zu merken, wie viele Fragen man bereits beantwortet hat, und vor allem, welche davon als richtig akzeptiert wurden.

Aber anscheinend hatte ich den Schwellenwert von fünf Fragen passiert, denn während der folgenden vier oder fünf Fragen schien der Prüfer nur mehr mit einem Ohr zuzuhören, und war bereits in Gesprächen mit den Kollegen im Raum. Eventuell um meine Prüfungsergebnisse weiterzugeben, eventuell um das Barbecue fürs nächste Wochenende zu planen. Wer weiß?

Ich bekam nochmal eine Vorrang-Regel, musste noch einen Mayday-Funkspruch erklären, den richtigen Kanal sowie die Notrufnummer benennen, den Namen einer kroatischen Insel im internationalen Funkalphabet buchstabieren, und hörte dann ein lapidares “ok”.

Weiter wurde mir keine Beachtung geschenkt. Ich musste nachfragen, ob ich fertig bin, und mit einem einsilbigen „Ja“ und einer Verabschiedung verließ ich den Raum.

KÜStenpatent Kroatien

Küstenpatent nach der Prüfung erhalten

Direkt nach der Prüfung muss man noch etwa eine halbe Stunde warten und erhält dann sein Küstenpatent im Pass-Format. Es ist lebenslang gültig, daher ist es empfehlenswert, die Daten auf dem Schein auf Richtigkeit zu überprüfen. Eine Korrektur direkt vor Ort ist problemlos möglich, später ist das wohl schwieriger. (Und ja: Das komplett schief geklebte Bild auf meinem Ausweis wird mich nun auch ein Leben lang stören! 😉

Fazit zur Prüfung zum Küstenpatent

Die Prüfung war weder besonders leicht, noch besonders schwierig. Unser Prüfer war ein grantiger Seebär, ihm wollte kein Lächeln auskommen, dafür rollte er oft und gerne mit den Augen. In der Beurteilung selbst war er dann aber wohl gar nicht so streng, wie er vermittelte. Die Prüfung war insgesamt angenehm hemdsärmelig in dem Sinne, dass man sehen wollte, ob die KandidatInnen gelernt hatten, oder nicht, aber nicht auf ein „Hinausprüfen“ aus war. Mit etwas Vorbereitung ist die Prüfung zum Küstenpatent definitiv zu schaffen, ohne Vorbereitung aber wohl nicht. Man sollte sie also schon ernst nehmen. Die Geschichten, die man teilweise online findet („musste gar nichts wissen, schafft jeder“) müssen entweder aus vergangenen Zeiten schaffen, oder es gibt tatsächlich einfachere Häfen. Doch wenn man ehrlich ist: Das Meer birgt Gefahren, und der Anspruch sollte nicht sein, mit möglichst wenig Aufwand durchzukommen, sondern auch etwas zu lernen.

Poreč

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Gerfried / womoguide.at
Über den Autor
Gerfried Reis
"Immer schon" im Wohnmobil unterwegs. Fotograf, YouTuber, Autor, Blogger, Wingfoiler, Softwareentwickler. Mehr erfährst du hier.

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